Fragen und Antworten mit Sanjiv Takyar

Fragen und Antworten mit Sanjiv Takyar

Fragen und Antworten mit Sanjiv Takyar – Leiter Innovation, Solutioning & Strategic Marketing für Automotive & Industrial Solutions (EU & Nordamerika) bei CHEP.

 

F: Welche Herausforderungen sehen Sie nach Corona auf die Automobilindustrie zukommen?

Sanjiv: Nun, wir sind ja noch nicht in der Zeit nach Corona, es können also noch ein paar Überraschungen auf uns zukommen. Aber wir können bereits sehen, dass die Pandemie die Art und Weise verändert, wie alle Unternehmen in der Branche Risiken – und Risikominimierung – betrachten.

Das liegt nicht nur an Corona. Es gibt enorme Veränderungen und Ungewissheiten wegen der Umstellung auf Elektroantrieb (im Rahmen der  Klimaschutzbestimmungen), des Brexit, des Online-Handels usw. Wie können Unternehmen ihre Risiken mindern? Je mehr sie Risiken begrenzen können, desto widerstandsfähiger werden sie in der Zukunft sein.

Letztendlich geht es um den Verbraucher und sein sich änderndes Kaufverhalten.

F: Wie ändert sich das?

Sanjiv: Die Leute sehen Automobile jetzt ganz anders. Einerseits zeigt sich bei den Pendlern ein deutlicher Verzicht auf die Nutzung öffentlicher Transportmittel – eine kürzlich durchgeführte EY-Studie fand heraus, dass sie global um 69 % zurückgegangen war – zum Teil, weil im Homeoffice gearbeitet wird, aber auch, weil wir nicht mit vielen Fremden in einem überfüllten Raum sein wollen. Erstaunliche 31 % der Personen, die kein Fahrzeug besitzen, haben vor, in den nächsten 6 Monaten eines zu kaufen (und fast die Hälfte von ihnen sind Millennials). [Fußnote 1]

Aber innerhalb der Städte gibt es auch noch viele andere Optionen, um sich ohne Fahrzeug fortzubewegen. Emissionsschutzzonen erschweren die Haltung eines eigenen Fahrzeugs und Elektrofahrräder und -scooter werden immer beliebter, um sich in der Stadt zu bewegen.

Es wandert also sehr viel ab. Und auch die Tendenz zu mehr Online-Einkauf wird sich enorm auf die Händler auswirken. Bei einer Umfrage in Großbritannien sagten 19 % der zukünftigen Käufer, sie würden schon früher ein Auto kaufen, wenn es eine Möglichkeit gäbe, das online zu tun. [Fußnote 2]

F: Was bedeutet das für Elektrofahrzeuge?

Sanjiv: Sicherlich will die Öffentlichkeit Elektrofahrzeuge jetzt mehr als zuvor. In Europa sind die Verkäufe von Elektrofahrzeugen im Vergleich zum letzten Jahr (von einem relativ niedrigen Niveau) um 90 % gestiegen – obwohl Kosten und mangelnde Infrastruktur zu Hause jüngere Käufer wohl eher von dem Markt fernhalten. Und ich denke, das könnte sich mit kreativeren Finanzierungsangeboten und Partnerschaften in der Ladeinfrastruktur ändern ...

Ich kann mir vorstellen, dass der Trend sehr schnell hin zu Elektrofahrzeugen geht, sobald sie auf den Straßen präsenter werden. Robert Frank ist ein Verhaltensökonom, der auf Gruppenzwang spezialisiert ist. Er hat festgestellt, dass die Installation von Solarzellen weitgehend davon beeinflusst wird, was die Nachbarn machen: Sobald ein Haus sie auf dem Dach installiert, ist es viel wahrscheinlicher, dass es auch die umliegenden Häuser tun. Menschen tun sich in puncto Risiko tatsächlich gern zu einem ‚Pool‘ zusammen, wenn es darum geht, Dinge auf neue Art zu tun – und davon versteht CHEP nun wirklich viel!

Die Branche bewegt sich jetzt aber viel schneller als vor Corona geplant auf einen Wendepunkt zu, um bis 2030 ganz auf Elektrofahrzeuge umzustellen. Die Entwicklungszyklen wurden bereits beschleunigt, aber das setzt immer noch voraus, dass in den nächsten Jahren damit begonnen werden muss, teils vollkommen neue Systeme und Supply Chains einzurichten – das wird vielleicht nicht ganz so einfach sein.

Sehen Sie nur, welche Probleme bereits bei spezialisierten Computerchips entstehen. Die Nachfrage nach mehr Computerleistung und Konnektivität in unseren Autos – und die durch Corona verursachten Lieferprobleme – haben zu Produktionsverzögerungen geführt, die die globale Automobilindustrie in diesem Jahr vielleicht 60 Milliarden Dollar kosten. [Fußnote 3]

All das bedeutet, dass belastbare Supply Chains jetzt in den Chefetagen zu einem viel wichtigeren Thema geworden sind.

F: Wie müssen sich die Supply Chains anpassen?

Sanjiv: Ich denke, es gibt zunehmend die Erkenntnis, dass man jetzt mit Veränderungen rechnen muss. Deshalb müssen die Supply Chains eine Kapazität für Veränderung einbauen, und nicht nur so „schlank“ wie möglich arbeiten. Die Covid-Pandemie ist kein unvorhergesehenes Ereignis – die Wahrscheinlichkeit einer alles infrage stellenden Pandemie wird schon seit Jahrzehnten vorhergesagt. Und die Elektrifizierung (bei der es auch über die Automobilwelt hinaus neue Marktteilnehmer geben wird) wird viele neue Möglichkeiten und Herausforderungen mit sich bringen, die unbedingt schnell gelöst werden müssen.

Dafür ist CHEP wie gemacht. Wir sind überzeugt, dass wir der Branche wirklich eine Hilfe sein können, indem wir ihrer Supply Chain das Risiko nehmen. Verpackung ist ein großer Kosten- und Risikofaktor. Wenn Teile mit dem CHEP-Pooling transportiert werden, heißt das: Ganz gleich welche Änderungen sich bei der Nachfrage ergeben mögen, wir werden dafür sorgen, dass unsere Kunden den Nachschub und die Qualität haben, die sie benötigen. Das ist bei Produkten wie Batterien für Elektrofahrzeuge besonders wichtig, da sie komplexen Sicherheitsanforderungen unterliegen.

Deshalb konnte CHEP zu Beginn der Pandemie die Supply Chains seiner Kunden in Gang halten, obwohl es dramatische Schwankungen bei der Nachfrage und der Kapazität gab.

Und es gibt potenziell größere Gewinne durch stärkere Kooperation. Im Moment macht jeder die Dinge auf seine eigene Art – also gibt es nur wenig Standardisierung und viele leere Lkw-Fahrten (zwischen 25 und 50 % der Strecken werden leer gefahren, also wird häufig nur Luft bewegt). [Fußnote 4]

Da CHEP in der globalen Supply Chain für Automobile tief verankert ist, können wir bei CHEP lange vor vielen anderen sehen, wie sich Trends abzeichnen – und wir können sehen, wo sich durch bessere Zusammenarbeit neue Effizienzen finden lassen.

F: Wie wichtig werden nachhaltige Lieferketten in der Zukunft sein?

Sanjiv: Der Klimawandel ist während der Pandemie nicht verschwunden und es gibt einen zunehmenden weltweiten Konsens über die Notwendigkeit einer Veränderung. Ich glaube, wir werden da in der Reaktion der Branche ebenso einen Wendepunkt kommen sehen wie bei der Elektrifizierung.

„Nachhaltigkeit“ an sich ist ein eher überbeanspruchtes Wort geworden – jeder kann jetzt von sich behaupten, dass er nachhaltiger ist, weil sein Briefpapier nun aus recycelbarem Papier gemacht ist ... Deshalb müssen Unternehmen jetzt viel mehr als das tun und wirklich versuchen, gar keine Umweltbelastung mehr zu verursachen.

Das geschieht am effektivsten durch die Umstellung auf ein Modell der Kreislaufwirtschaft, indem man das lineare „nehmen-produzieren-entsorgen“ hinter sich lässt und durch ein Modell ersetzt, das auf Teilen und Wiederverwenden fußt.

So arbeitet CHEP. Das ist einer der Gründe, warum wir als eines der nachhaltigsten internationalen Unternehmen der Welt gelten. Und wir helfen unseren Kunden,  ihre Kreisläufe zu schließen und weniger zu verschwenden, indem sie CHEP nutzen.

Meiner Meinung nach muss man anderen vor allem verständlich machen, dass die Beseitigung von Abfall und Verschwendung in ihrem Betrieb keine Kosten darstellt, sondern messbaren Mehrwert. Tesla macht seine größten Gewinne nicht etwa mit dem Verkauf von Elektroautos – sondern mit dem Verkauf seiner Kohlenstoffgutschriften an andere Automobilhersteller (Schätzungen von Credit Suisse zufolge wird das Unternehmen 2021 damit 2 Milliarden Dollar machen). [Fußnote 5]

CHEP blickt jetzt schon über Zero-Waste-Supply-Chains hinaus auf mögliche regenerative Supply Chains, bei denen der Betrieb von Unternehmen dem Planeten und der Gesellschaft mehr zurückgibt als er ihnen nimmt.

Ich glaube, dass wir nach dem Corona-Jahr alle nach ein wenig Optimismus suchen. Bei CHEP sind wir davon überzeugt, dass die Automobilindustrie das Potenzial hat, viel mehr zu tun als in der Welt nach Corona zu überleben. Sie kann wachsen und gedeihen ...

 

Fußnote1: EY Press Release
https://www.ey.com/en_gl/news/2020/11/millennials-to-lead-covid-induced-car-ownership-boom-ey-survey

Fußnote 2: Google Surveys, U.K. English, ‘Global Auto Pulse’, May 19th, 2020, n = 886 of respondents who plan to purchase a vehicle in the next 12 months

Fußnote 3:
https://eu.freep.com/story/money/cars/general-motors/2021/03/02/auto-industry-chip-deficit/6838912002/

Fußnote 4:
https://ec.europa.eu/transport/sites/transport/files/modes/road/news/com%282014%29-222_en.pdf


Fußnote 5: https://www.bloomberg.com/news/articles/2021-01-27/tesla-credit-revenue-may-rise-to-2-billion-credit-suisse-says

 

 

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